Die Vergesslichkeit

In einem meiner letzten Postings schrieb ich über die Gewohnheit. Dinge, die man sich im Laufe des Lebens angeeignet hat und die dazu gehören wie der Teebeutel im heißen Wasser.

Das Pendant zur Gewohnheit ist sicherlich die Vergesslichkeit. Oder?

Kennt Ihr dieses Phänomen auch:

Ihr macht eine ganz bestimmte Sache vielleicht jeden Tag. Monatelang. Jahrelang. Und Ihr denkt gar nicht mehr darüber nach. Und auf einmal fällt Euch etwas ganz bestimmtes nicht mehr ein. Es ist einfach weg. Futschikato. Verschwunden. Nicht mehr auffindbar.

So geschehen in letzter Zeit in meinem Leben. Ab und zu. Öfters mal.

Ich mache mein Handy beispielsweise nie aus. Wenn ich schlafe, stelle ich den Ton ab, aber es bleibt immer an. Ich lasse mich sogar vom integrierten Wecker wecken, obwohl ich links und rechts neben dem Bett jeweils einen Radiowecker stehen habe. Ich brauche zwei Wecker, um aus jeder „Liegenslage“ sehen zu können, wie spät es gerade ist. Aber ich habe mir in den acht Jahren des Besitzes dieser beiden Wecker nicht ein einziges Mal die Mühe gemacht, in die Bedienungsanleitung zu schauen, um zu schnallen, wie man so einen Wecker programmiert 🙂

Also lasse ich mich vom Handy wecken und bin auch so ziemlich immer darüber erreichbar. Vorausgesetzt der Anrufer hat meine Nummer und der Akku ist voll. Als ich aber neulich auf der Arbeit war, gab genau dieser seinen Geist auf und das Ladekabel wartete natürlich zu Hause.

Als ich das Handy dann nach der Arbeit dort anschloss und meine PIN eingeben wollte…. war sie weg…. ich habe diese PIN jetzt mindestens zehn Jahre und verwende sie bei jedem neuen Handy direkt wieder. Weil ich mich so an sie gewöhnt habe. Und auf einmal fiel sie mir nicht mehr ein. Ich grübelte und grübelte und nach zwei Fehlversuchen ließ ich es erstmal sein.

Da ich mir die PIN auch nirgendwo notiert hatte (das sollte ich wohl mal besser nachholen), bekam ich natürlich schon leichte Anflüge der Panik, denn in meinem Handy sind ja viele Nummern gespeichert, die sonst niiiiirgendwo anders mehr stehen (das sollte ich vielleicht auch mal ändern).

Nach ein paar Stunden nahm ich dann, wie selbstverständlich, das Handy nochmal zur Hand, gab die liebgewonnene PIN ein und siehe da: Es funktionierte. Weil ich nicht mehr drüber nachdachte, sondern sie einfach automatisch eingab. Der Gewohnheit zuliebe.

Ähnliches ist mir ein paar Tage später mit meiner Kontonummer passiert, die ich eigentlich mitten in der Nacht aufsagen könnte, wenn man mich aus dem Tiefschlaf reißt. Auf einmal war sie weg und ich mußte doch tatsächlich auf der EC-Karte nachschauen und fragte mich, wie um Himmels Willen ich diese Nummer nur vergessen konnte.

Und ganz aktuell überlege ich, wie viele Löffel White-Cappu-Pulver ich eigentlich in den letzten 10 Jahren immer so in meine Tasse getan habe. Waren es 3? Oder 4? Oder 5? Ich schwöre… ich weiß es nicht mehr und teste gerade, wie mir der Cappu am besten schmeckt. Ich mein, das ist doch nicht normal oder??

Ist das nicht komisch? Sobald man anfängt, über eine Sache nachzudenken, wird sie schwierig und macht man sie automatisch, gelingt sie.

Ist das ein generelles Phänomen oder nur das, welches einen ab 40 erreicht? Werde ich alt? Senil? Dement? Oder ist mein Kopf einfach nur zu voll von Eindrücken, die ich versuche, aufzunehmen, um sie eines Tages vielleicht niederzuschreiben? Habe ich Angst davor, mit zunehmendem Alter zuviel zu vergessen? Lebe ich bewußter und nehme ich bewußt und unbewußt mehr Eindrücke wahr und kann sie nun nicht richtig verarbeiten? Muss ich zum Arzt? 😉

Ich weiß es nicht. Aber ich finde all das zumindest so erwähnenswert, dass ich nicht vergessen wollte, einen Tagebucheintrag darüber zu schreiben. Und bevor ich es vergessen HÄTTE, hab ich mich halt ganz schnell hingesetzt und über das Vergessen geschrieben. So kann ich auch jederzeit nochmal nachschauen, wenn ich mal wieder irgendwas vergessen habe, wie das nochmal mit dem Vergessen so war.

Irgendwie clever oder? 🙂

Und was immer Ihr jetzt auch tut: Vergeßt mich nicht!! 🙂

5 Kommentare

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    • Jessi on 12. August 2009 at 00:17

    Oh Gott.. ja, ja und nochmal jaaa!
    Du bist nicht allein Kossi! 😉
    Ich mit meinen zarten (*hust* *röchel*) 22, habe auch solche „Anflüge“ 😉
    Mit dem Handy ergings mir genauso..

    Irgendiwe ist es auch mit dem Auto fahren vlt zu vergleichen, man schlatet einfach.. wenn man drüber nachdenkt, ab wann man wieder wohin schalten muss und wo der Gang überhaupt liegt, dann bekommt man ihn garantiert nicht rein! 😉

    • Eva on 12. August 2009 at 12:59

    Das alles kommt mir auch sehr bekannt vor. 🙂 Und ich dachte immer, nur mir passieren solche Sachen. 😉

    • Tanja on 12. August 2009 at 13:07

    Natürlich, Kossi, alles ganz normal!!! Ich darf vor dem Geldautomaten auch nicht über meine PIN nachdenken, denn dann kenne ich sie sicherlich nicht. Denk doch auch nur mal an das „blinde Schreiben“ – weißt du wo welcher Buchstabe auf der Tastatur liegt? Ich nicht. Ich kann schnell tippen und auch blind und ich merke auch wenn ich mich vertippe – aber ich kann dir nicht sagen wo denn nun das Z oder das A liegt. So ist das nunmal mit dem Automatisieren von bestimmten Tätigkeiten…. Also, das liegt auf keinen Fall am Alter!!!

    Liebe Grüße
    Tanja H.

    • Kossi on 12. August 2009 at 15:14

    A propos PIN vom Geldautomaten…. wenn ich in einen Laden gehe und weiß, dass ich mit Karte zahlen werde, schlendere ich immer mit den Zahlen durch die Gänge…. so „1234, 1234, 1234, 1234“ (PIN von der Redaktion geändert hihi). Und manchmal habe ich Angst, mich könnte jemand ansprechen und sagen „Huhuuuu Kossi!“ und ich antworte dann mit „1234“ 🙂

    • Petra on 12. August 2009 at 19:39

    Das PIN Erlebnis hatte ich auch schon einmal. Die Zahl war sowas von weg, wie eine totale Blockade, Leere. Ich war damals richtig erschrocken, denn gerade Zahlen, seien es Tel. Nummern oder eben PINS merke ich mir immer gut. Da haben die Synapsen im Gehirn wohl verrückt gespielt.

    LG Petra

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